CDU und besonders die FDP haben im letzten Bundestagswahlkampf versprochen die Steuern zu senken und sind dafür teilweise ausgelacht worden. Nun haben sie die Steuern gesenkt und dafür sowohl Lob als auch Kritik erfahren müssen. Doch was bringen Steuersenkungen eigentlich? Kann man mit Steuersenkungen vielleicht sogar das Steueraufkommen (das, was der Staat am Ende erhält) steigern? Und mit Steuererhöhungen das Steueraufkommen senken? Sind Steuersenkungen aktuell nur Polemik?
Bis vor einigen Tagen war ich der Meinung, es sei weitgehend bekannt, das man mit Steuersenkungen sehr wohl auch das Steueraufkommen steigern kann. Als ich dann vom Gegenteil überzeugt wurde, habe ich mir vorgenommen dazu Latzzeichen, zu schreiben.
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| Niedriger Steuersatz, niedriges Steueraufkommen |
Steuern sind Abgaben an den Staat, die im Normalfall entweder beim Anbieter oder beim Konsumenten erhoben werden und entweder über den Preis oder die Menge berechnet werden. Das heißt: Einer von beiden, ob Anbieter oder Konsument, führt die Steuern ab. Die Steuern berechnen sich entweder vom Verkaufspreis der Ware (z.B. 19% Mehrwertsteuer) oder von der gekauften Menge (z.B. Steuer pro Liter bei der Mineralölsteuer). Unabhängig davon, wer die Steuern zahlt oder worauf sie geleistet werden müssen, gibt es stets einen Wohlfahrtsverlust - eine "Menge Wirtschaft", die nicht getätigt wurde (einfach gesagt).
Zur Veranschaulichung gibt es jetzt zwei Grafiken. Zu sehen ist jeweils ein Marktdiagramm mit eingezeichneter Steuer (P = Preis | Q = Menge). Der Steuersatz ist die grüne Linie, das Steueraufkommen die Fläche des roten Feldes. Ich möchte auf große theoretische Herleitungen des Marktdiagramms und des Steuerrechteckes verzichten und würde Euch bitten, es einfach so hinzunehmen, wie es hier ist.
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| Hoher Steuersatz, niedriges Steueraufkommen |
Im ersten Markdiagramm ist ein sehr niedriger Steuersatz eingezeichnet. Wie erwartet ist das Steueraufkommen dadurch auch eher gering. Im zweiten Marktdiagramm ist der Steuersatz extrem hoch, aber was ist das? Auch hier ist das Steueraufkommen eher gering - zur Erinnerung: Die Länge der grünen Linie ist der Steuersatz, die Fläche des roten Rechteckes das Steueraufkommen.
Woran liegt das? Letztere Steuer ist eine sogenannte Prohibitiv-Steuer. Die Steuer verteuert das gehandelte Gut so enorm, dass viele Menschen es sich nicht leisten können oder nicht dazu bereit sind soviel Geld auszugeben. Klassische Prohibitiv-Steuern sind Tabak- und auch die "Alko-Pop-Steuer".
Das zeigt schon mal eins: Eine Steuererhöhung geht nicht unbedingt mit einer Erhöhung des Steueraufkommens einher. Unter Umständen bewirkt sie sogar das genaue Gegenteil.
Doch was muss man tun, um den "perfekten" Steuersatz zu bekommen. Nun, die Rechnung ist wirklich einfach. Man stellt eine Funktion auf, die die Höhe des Steueraufkommens beschreibt, und optimiert diese:
A(t) = t * x(t) ; Steueraufkommensfunktion A(x) mit Steuersatz t und Stelle x(t), an der gilt d(x) - s(x) = t (d(x) ist die Nachfrage und s(x) das Angebot).
Ableiten: A'(t) = x(t) + t * x'(t)
Und gleich null setzen: A'(t) = 0 <=> x(t) + t * x'(t) = 0
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| Mittlerer Steuersatz, maximales Steuereinkommen |
Löst man das Ganze nach t auf, ergibt sich ein Steuersatz, der optimal ist für diesen Markt. Ein solcher Steuersatz sieht dann in etwa so aus, wie im Dritten meiner (äußerst schlecht gezeichneten) Marktdiagramme.
Diese Funktion (von mir kurzerhand "Steueraufkommensfunktion A(x) genannt) stellt eine umgekehrte Parabel dar.
Sie geht zurück auf Ph.D. Arthur B. Laffer und ist nach ihm benannt. Mithilfe dieser Kurve konnte Laffer - der Legende nach - US-Präsident Ronald Reagen von seinen Spitzensteuersätzen von über 70% abbringen. Dazu zeichnete er sie ihm bei einem gemeinsamen Abendessen auf eine Serviette.
Die nächste Grafik zeigt ein ungefähres Abbild der Laffer-Kurve (Steueraufkommen auf der y-Achse, Steuersatz auf der x-Achse). Man entschuldige die fehlenden Achsen und Beschriftungen, ich wollte nur nicht implizieren, dass die hier gezeigte Laffer-Kurve der Realität entspricht. Grob passt es in jedem Fall.
Offensichtlich erkennt man, das sowohl ein hoher, als auch ein niedriger Steuersatz ein niedriges Steueraufkommen verursachen können. Daraus folgt direkt natürlich, dass man, wenn der Steuersatz rechts des Optimums liegt, die Steuern senken und gleichzeitig das Steueraufkommen steigern kann. Links des Optimums gilt der "natürliche Ansatz": Mehr Steuern, mehr Steueraufkommen.
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| Laffer-Kurve |
Jetzt hab ich sehr lange sehr theoretisch lamentiert. Was bedeutet das Ganze für die deutsche Steuerpolitik? Wo liegen wir eigentlich? Links oder rechts des Optimums der Laffer-Kurve? Kann man überhaupt herausfinden, wo wir liegen? Mit dieser - der letzten - Frage möchte ich beginnen. Ich habe es ja schon angedeutet. Dieses Modell ist plausibel, nur in der Realität natürlich weitaus komplizierter. Die Problematik ist zum einen das reine Zeichnen der Kurve, weil es ja ein Vorausahnen des Verhaltens der Bürger auf eine Steuersatzänderung erfordert. In meinem Modell verhalten sich die Bürger einfach linear. In der Realität ist praktisch jedes Verhalten denkbar.
Zum anderen muss auch der Punkt gefunden werden, an dem sich der aktuelle Steuersatz befindet.
Ein amerikanischer Volkswirt hat jedoch kürzlich eine Laffer-Kurve für Deutschland gezeichnet. Wie auch immer er es geschafft hat, das Ergebnis ist spannend und findet sich auf der folgenden Grafik. Was sagt uns das? Kurz und gut: Steuersenkungen bringen uns aktuell gar nichts. Wir liegen links vom Optimum, jedoch: sehr knapp links vom Optimum. Man könnte jetzt sagen, man solle die Steuern erhöhen. Ich bin ehrlich gesagt der Meinung, wir befinden uns schon sehr nah beim Optimum, und wenn wir den Wissenschaftlern jetzt noch einen natürlichen Fehlerspielraum zugestehen, dann ist da einfach nicht mehr zu holen.
Steuersenkungen und lustigerweise auch -erhöhungen geschehen natürlich auch aus rein politischem Gedanken. Da Steuererhöhungen nur die Bürger bestraft und uns im Endeffekt sogar weniger Steueraufkommen bringt, bitte lasst es. Da wir schon etwa 1.700.000.000.000,- € Staatsverschuldung auf dem Buckel haben und die laufenden Kosten senken müssen, sollten wir es uns dreimal überlegen Steuern zu senken.
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| Laffer-Kurve Deutschland |
Bei den letzten Steuersenkungen durch Schwarz-Gelb hat Sigmar Gabriel die Falschheit dieser Politik belegen wollen mit einem Aufstand, den gerade eine Handvoll deutsche Millionäre verursachen. Treu dem Motto: "Wir wollen mehr Steuern zahlen." wirbt unter anderem Marius-Müller Westernhagen für höhere Steuern.
Liebe reichen Steuerzahler, es ehrt euch wirklich, das ihr dem Staat helfen wollt. Da gibt es auch eine einfache Möglichkeit. Wenn ich richtig informiert bin, kann jeder Bürger jederzeit eine freiwillige Zahlung an das Finanzamt tätigen. Das Geld wird ausschließlich zur Schuldentilgung verwendet und ist damit sicherlich gut angelegt. Mit einer solchen spendablen Geste helft ihr zwar nicht der Opposition fadenscheinige Argumente zu untermauern und kommt nicht in die Zeitung, aber es ist viel einfacher und führt zum selben Ergebnis.
Ein Fazit zum Ende. Steuererhöhungen und Steuersenkungen können zu jeder Zeit praktisch jede Auswirkung haben. Lasst unsere Steuern doch einfach in Ruhe!
Nachzulesen übrigens alles gerne in: Pindyck/Rubinfeld - Mikroökonomik